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Barock meets Pop im Parthenonsaal

Das Programmheft verrät schon eine ganze Menge. Trotzdem bleibt der Überraschungseffekt nicht aus, wenn sich Eric Claptons „Tears in Heaven“ in die barocke Klangwelt von Michelangelo Galilei einmischt. Da gleitet die sanfte Akkordstimmung der Laute ganz unmittelbar über in die tragisch anmutende Melodielinie der Flöte, die das Cello einfühlsam grundiert, bis sich Händels Andante Larghetto aus seinem Orgelkonzert op. 7 wie ein melodisches Echo entfaltet.

Die Barockkomponisten waren eher da, witzelt Andreas Düker, der das Konzert in der Reihe seiner „Saitenwechsel“ diesmal unter das Motto „Barock meets Pop“ gestellt hat. Aber die Ähnlichkeiten sind schon frappierend, auf die sich Düker mit Anke Schmidt-Weißer (Blockflöte) und Jörg Ulrich Krah am Violoncello in den gemeinsamen Arrangements verständigt. Vor allem, weil dabei auch ein kleines Augenzwinkern mit im Spiel ist, das die Jahrhunderte zwischen Pop Und Barock einfach verblassen lässt. Die alten Meister machten schließlich keinen Unterschied zwischen U- und E-Musik, wenn sie höfische Feierlichkeiten und Gelage musikalisch bei Laune hielten. Getanzt wurde auch bei Händel und Gabrielli, vermutlich sogar bei Bach. Nur dass eben anders als bei Hits wie „A whiter Shade of Pale“ von „Procol Harum“ damals noch keine Feuerzeuge kreisten und Bachs „Air“ ebenso von Kerzenlicht illuminiert wurde wie sein Präludium c-Moll, das sich jetzt ganz entspannt mit dem latin groove von Consuleo Velasquez „Besame Mucho“ arrangiert.

Das Publikum swingt innerlich mit, wenn die Laute ihre swingenden Akzente setzt und daran erinnert, dass die historisch informierten Aufführungspraxis bei Händel und seinen Zeitgenossen auch mit den Geboten von Rhythmus, Takt und Timing immer wieder in beschwingende Regionen vordrang.

Man kann natürlich jetzt rätseln, ob die Beatles bei „Penny Lane“ zuvor ein ganz klein bisschen in Händels Allegro aus seiner Sonate HWV 369 hinein gelauscht haben, weil die harmonischen Strukturen so wunderbar harmonieren. Das ließe sich auch von Roland Kirk und seiner „serenade to a Cuckoo“ behaupten, so wie sie sich jetzt mit Gottfried Fingers Komposition „a ground“ arrangiert. Aber da verhält es sich wie mit dem Rad, das eben nicht neu erfunden werden muss und sich trotzdem immer wieder anders dreht. In diesem Fall ist es ein wunderbar grooviges Cello, das jedem Kontrabass die Show stehlen würde mit diesen wunderbar gesättigten Schwingungen und dieser absteigenden Basslinie, die Popkomponisten genauso schätzten wie die barocken Entertainer.

Mit Laute, Cello und Blockflöte unterwandern die drei Musiker auch gern die historische Chronologie und switchen einfach zwischen den Kompositionen. Dann klingt der Beatles Hit erneut an, als ob ihn Händel in seiner Sonate wie einen musikalischen Verwandten zitiert.
Es sind vorwiegend Pop Balladen, die hier mit der barocken Klangwelt und historischen Instrumenten verwebt werden. In den melodischen Farben klingen sie auch deshalb so zeitlos schön wie die Tondichtungen früherer Jahrhunderte, weil hier drei Musiker auch auf stilistische Nuancen und Variationen vertrauen, mit denen sich wunderbar improvisieren und experimentieren lässt. In der Begegnung mit Telemann verwandelt sich „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin in ein hymnisches barockes Ständchen. Das Allegro aus

Telemanns c-Moll Sonatine mutet dagegen wie eine charmante Extravaganz an, der Cellist Jörg Ulrich Krah ganz viel Groove und Swing entlockt.

Fast schon abenteuerlich gestaltet sich die Begegnung von Barock und Pop, wenn Krah seine Komposition „Spiegelblicke“ mit einem Ricerca von Domenico Gabrielli in Beziehung setzt. Auch neue Musik verträgt sich wunderbar mit den barocken Motiven, die so offen anmuten wie die percussiven Tonbilder, Klangkollisionen und Geräusche, die der Musiker für sein „subjektives Klangportrait einer Gruppe“ zu einer faszinierend expressiven musikalischen Landschaft formt.

Das Publikum im Parthenonsaal ist auch gern für ein weiteres Augenzwinkern zu haben, wenn die Musiker als Zugabe „Sunny side oft the street“ ankündigen und mit den alten Instrumenten noch mal richtig schön zeitlos swingen.

Erschienen in der Kategorie SAITENWECHSEL - Musik im Parthenonsaal
Mittwoch, 08 Februar 2017 22:49

Die Viola da gamba im höfischen Glanz

Zum Auftakt der Konzertreihe „Saitenwechsel“ im Archäologischen Institut

Ludwig XIV zelebrierte seine Herrschaft sehr verschwenderisch und mit viel Prunk. Dafür schröpfte er vor allem seine Untertanen. Dienstbar produktiv für die zahlreichen festlichen Gelage am Hofe von Versailles hatten allerdings auch die Musiker zu sein, deren Kompositionen die Ära des Sonnenkönigs klangvoll prägten. Seine besondere Gunst genossen Komponisten wie Marin Marais, Robert de Visée, Antoine Fourqueray und Monsieur de Sainte-Colombe, die so auch der Viola da Gamba zu einem goldenen Zeitalter verhalfen. Ihnen widmete sich das Auftaktkonzert in der Reihe der Saitenwechsel im Parthenonsaal des Archäologischen Institutes.

Für den Ausflug in die höfischen Glanzzeiten der Viola da gamba hatte Lautenist Andreas Düker mit Laura Frey und Hermann Hickethier zwei Virtuosen an seiner Seite, die mit der Versailler Klangwelt besonders vertraut sind und auch mit den stilistischen Vorgaben, an denen sich die historischen Gambisten in ihren Kompositionen für die herrschaftlichen Bankette und Zeremonien orientierten. Klarheit lautete das Gebot für den französischen Stil, der auf schlichte und klare Harmonien ausgerichtet war und sich so von den virtuosen Verspieltheiten der italienischen Nachbarn abzugrenzen suchte. Und so vermittelten die drei Musiker mit den Tänzen aus Marin Marais Suite in G-Dur zunächst auch etwas von der zeremoniellen Atmosphäre am Hofe des Sonnenkönigs, mit elegant anmutenden Melodien, auf die sich die beiden Gamben auch in den Duettstimmungen wunderbar verständigten. Andreas Düker lockert dann auf mit einem zauberhaft filigranen Intermezzo des Komponisten und höfischen Gitarrenlehrers Robert de Visée. Und auch in den musikalischen Skizzen des Gambisten Antoine de Forqueray wird spürbar, das die Musiker des Sonnenkönigs die Gebote des französischen Stils auch gern mit harmonischen Kontrasten und subtilen Extravaganzen unterwanderten. Wie von zeremoniellen und stilistischen Zwängen befreit klingen die Tondichtungen von Marin Marais „Les Voix Humaines“ und „Le Labyrinthe“, wenn die Musiker sich in die assoziativen Klangbilder des Komponisten vertiefen. Sehr bewegend entfalten sich dann die elegischen Motive in Monsieur de Sainte-Colombes Komposition „Tombeau Les Regrets“ in den dunklen Tonfarben der Gamben.

Mit Robert de Visées Sarabande D-Moll aus seinem Livre de Guitarre stimmt Andreas Düker das Publikum schließlich auch auf andere musikalische Horizonte ein, befreit von höfischen Zeremonien und stilistischen Ritualen. Denn nun folgen Marin Marais Variationen dieses herrlich virtuosen Konzertstückes „La Folia“, das eben auch luftig leicht, verspielt und beschwingt anmuten darf. So ganz mochte sich Marais mit seinen „Couples de Folie“ dem südländisch sonnigen Fair zwar nicht hingeben. Aber wenn man sich dabei ein höfisches Bankett mit Reifröcken, gewaltigen Schleppen und kunstvoll aufgetürmten Perücken vorstellt, dürfte es die Versailler Gesellschaft schon ein bisschen von den tänzerischen Manierismen einer Allemande oder einer Courante abgelenkt haben, so dass sie auch mal aus dem höfischen Takt geriet. So schön strahlen kann die Viola da gamba auch ohne den höfischen Glanz.

Erschienen in der Kategorie SAITENWECHSEL - Musik im Parthenonsaal
Sonntag, 08 Januar 2017 17:17

Virtuose Fingerfertigkeit

Düker & Boehncke spielen Kolbe & Illenberger

Erschienen in der Kategorie Konzert im Apex
Samstag, 03 Dezember 2016 06:26

Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht

Bertold Brecht und die Frauen – dieses Thema gehört zum Lebenslauf dieses großen Dramatikers immer dazu, hatte er doch vier Kinder von drei Frauen und daneben ein Liebesverhältnis zu fast allen seinen Mitarbeiterinnen.

Dieses Thema taucht auch in vielen seiner Gedichte auf, mal etwas subtil, mal ziemlich deftig. Die erotische Lyrik Brechts steht im Mittelpunkt des Abends mit Maja Müller-Bula (Gesang) und Andreas Düker (Gitarre), das im 60. Todesjahr des Dichters beide Künstler zurzeit im Göttinger Apex präsentieren.

Zunächst stellen die beiden den Schriftsteller vor. Die Lebensdaten werden beim Publikum im ausverkauften Apex abgefragt – und sind natürlich bekannt. Dann werden die Frauen vorgestellt, jeweils mit einem musikalischen Leitmotiv. Und schon jetzt merkt man, wie ausgesprochen vielseitig die Schauspielerin Maja Müller-Bula ist. Mit nur wenigen Accessoires und mit ihrem Mimenspiel gibt sie jeder dieser Frauen einen eigenen Charakter.

Nun erklingen die Gedichte und Lieder. Einige Melodien sind bekannt, andere sind neu oder neu arrangiert. Die Texte sind bisweilen frivol bis deftig, aber auch verliebt, melancholisch oder auch humorvoll. Müller-Bula und Düker verstehen es, immer neue Situationen zu entwickeln und das Publikum mitzunehmen.

Für Viele zeigt sich an diesem Abend ein neues Bild von Bertold Brecht. Geschickt wählten Müller-Bula und Düker bekannte Melodien wie zum Beispiel aus der Dreigroschenoper. Besonders ans Herz ging der Song „Surabaya Johnny“, den sich das Publikum auch gleich als Zugabe gewünscht hatte.

„Über die Verführung von Engeln“ ist nicht nur der Titel des Programms, sondern auch eines der Gedichte von Brecht, in denen es zum Teil deftig zu geht. „Engel verführt man gar nicht oder schnell“, heißt es dort. Und endet mit mahnend mit „Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!“

Der Abend ist wunderbar gelungen – ein Programm, dem man noch viele Besucherinnen und Besucher wünscht. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 30. Dezember im Apex. Es ist hoffentlich nicht die letzte.

Erschienen in der Kategorie Apex
Dienstag, 20 September 2016 17:17

Länger, tiefer, lauter

SAITENWECHSEL – Musik im Parthenon-Saal: Zwei Theorben und eine Reise durch die Zeit

Erschienen in der Kategorie SAITENWECHSEL - Musik im Parthenonsaal
Donnerstag, 29 Oktober 2015 11:26

Saitensprünge mit Vivaldi

Konzert im Parthenonsaal

Für die Gipsabdrücke wird es manchmal ein bisschen eng im Parthenonsaal des Archäologischen Institutes. Wenn Lautenist Andreas Düker mit Antoni Vivaldi „Saitensprünge“ unternimmt macht das eben nicht nur die Liebhaber alter Musik für seine Konzertreihe hellhörig. Jede Menge zusätzlicher Klappstühle mussten für die vielen Vivaldifans bereit gestellt werden und so kann der Musiker  diesen Besucherrekord auch mit einer erfreulichen Nachricht verbinden. Die Konzertreihe in der Nachbarschaft von antiken Göttern, Musen und Helden wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Und an einem Sonntagnachmittag vielleicht sogar erneut in der Besetzung für Laute, zwei Violinen und Kontrabass.

Düker hatte sich mit drei Musikerkollegen des Göttinger Symphonie Orchesters auf Triosonaten und Konzerte Vivaldis eingestimmt und das mit vielen zauberhaft sanft anmutenden Arrangements. In denen vermochten nicht nur Laute und Barockgitarre in ihrem filigranen Glanz zu strahlen sondern auch die Violinen von Thomas Scholz und Dmitri Feinschmidt und der Kontrabass von Takanari Koyama. 

Düker hat für seine Arrangements moderate Tempi gewählt. Auch wenn Vivaldi Melodielinien of virtuos veredelte und so die Musiker immer wieder zu virtuosen Höheflügen verführen mag, entwickeln sich im Parthenon Saal keine Sturm und Drang Tableaus. Die G-Moll Triosonate bezaubert in ihrer tänzerischen Anmut, wenn die Violinen die Laute umspielen und der Kontrabass mit seinem dunklen Plus rhythmisch beschwingt. Wie ein filigranes Klangemälde mutet auch Vivaldis C-Dur Konzert an, in dem Düker die ursprüngliche Solostimme der Mandoline auf die Laute übertragen hat. Die Musiker verstehen sich auch auf einen kontemplativen Vivaldi und auf diese Momente von Andacht. Wie Samt schimmert das Largo des zweiten Satzes und man möchte ganz im Sinne Goethes im Augenblick verweilen.

Nicht anders geht es den Zuhörern, wenn sich nun Barockgitarre und Kontrabass im unmittelbaren Dialog begegnen und der Lautenist die beiden Instrumente mit David und Goliath vergleicht und die Barockgitarre dabei keineswegs den Kürzeren zieht. Damit wurde zu Vivaldis Zeiten auch kräftig geschrammelt, meint Düker und lässt die Saiten mal eben kraftvoll erzittern. Umso faszinierender gestaltet sich nun das Zusammenspiel mit Takanari Koyama, der seinem Kontrabass in dieser Bearbeitung einer Cellosonate so feinsinnig berührende Seiten entlockt.

Erschienen in der Kategorie Musik
Sonntag, 13 September 2015 15:00

Sey nur still. Amen.

Patricia Grasse im Nachtkonzert der Nikolausberger Musiktage

Die „Kleinen geistlichen Konzerte“ von Heinrich Schütz sind kurze, kantatenähnliche Werke für eine kleine Besetzung. Wobei die Besetzung sehr unterschiedlich ist: von einer bis zu sechs Singstimmen reichen die Vorgaben von Heinrich Schütz. Entstanden ist diese Sammlung um 1636 – also noch inmitten der Wirren im Dreißigjährigen Krieg. Und so beginnt auch gleich das erste Stück mit den Worten „Eile mich, Gott, zu erretten, Herr, mir zu helfen!“

Die Sopranistin Patricia Grasse hat für das Nachtkonzert bei den Nikolausberger Musiktagen die Stücke ausgewählt, die für eine Sopranstimme vorgesehen sind. Das sind lediglich vier der 56 „Kleinen  geistlichen Konzerte“. Und weil diese Auswahl nicht konzertfüllend ist, hat sie noch einige „Musikalische Andachten“ des Bach-Zeitgenossen Johann Wolfgang Franck ausgewählt. Diese Stücke sind fünfzig Jahre später als die Konzerte von Schütz entstanden.

So ergab sich ein spannender Konzertablauf: zunächst die schlichte gehaltene, aber ungemein ausdrucksvolle Musik von Heinrich Schütz, dann die barocken Kleinode von Franck.

Patricia Grasse war eine ideale Besetzung für diesen Abend: sie gestaltete die Musik ergreifend und einfühlsam. Ihre schlanke Stimme klang in jeder Lage leicht, es war keinerlei Anstrengung zu hören. Und das bei einem einstündigen Programm, das nur einmal unterbrochen wurde durch eine Passacaglia von Alessandro Piccinini, gespielt von Andreas Düker auf der Laute.

Andreas Düker und Antonius Adamske (Orgel) begleiteten die Sängerin, teils gemeinsam, teils abwechselnd. Das Ensemble musizierte von der Orgelempore, während das Kirchenschiff im Kerzenschein leuchtete. So schön das atmosphärisch wirkte: akustisch hatte das zur Folge, dass der Text des Gesangs kaum zu verstehen war. Zum Glück war der Text im Programmheft abgedruckt.

Der prall gefüllte Samstag der 1. Nikolausberger Musiktage endete mit diesem wunderbaren Nachtkonzert mit Patricia Grasse. Insbesondere die Andachten von Franck waren eine Entdeckung. Das letzte Stück des Abends hieß „Sey nur still und harr auf Gott“ – und es endete mit dem Gruß zur Nacht: „Sey nur still. Amen.“

Erschienen in der Kategorie Klosterkirche Nikolausberg
Donnerstag, 23 Juli 2015 09:58

Saitenwechsel mit wunderschöner Musik

Die Aphrodite im Parthenon Saal des Archäologischen Institutes muss leider ihre imposante Haltung als Statue wahren. Sonst würde sie sich vermutlich mit einem Lächeln zu den beiden Musikern herabbeugen, die in ihrem Programm auch der antiken Liebesgöttin huldigen. Mit den musikalischen Seufzern von John Dowland, den innigen Liebeshymnen Claudio Monteverdis und Franz Schuberts dramatischen Glücksvisionen.

„An die Laute“ ist der Konzertnachmittag in der Reihe „Saitenwechsel“ überschrieben. In der Galerie von Gipsabdrücken antiker Skulpturen fand Lautenist Andreas Düker eine zauberhafte Klangkulisse für seine historischen Zupfinstrumente und die musikalischen Epochen, denen sich seine Konzertreihe widmet. Mit befreundeten Musikern durchstreifte Düker zunächst das barocke Zeitalter und die Renaissance, um nun mit Tenor Florian Brauer auch in den Sehnsuchtsliedern der Romantik zu schwelgen.

Mit dem Hinweis „eine Laute, ein Tenor und wunderschöne Musik“ haben die beiden Musiker ihr Programm versehen. Wunderschön ist dann auch die Wirkung, weil sich hier zwei sensible Klangmaler ans Werk machen und zunächst Dowlands Lieder wie mit dem Zeichenstift in fein nuancierte musikalische Tableaus verwandeln. Florian Brauer wird zum elisabethanischen Troubadour, der das ganze Liebessehnen und Seufzen auch mit der sanften Ironie eines Shakespeare Narren versieht. Wenn um Damenherzen gerungen wird, scheint die Laute fast ein bisschen kichern, um dann mit dem melancholischen Grübler und Skeptiker Dowland in den Momenten  der Kontemplation zu verweilen.

Bei dem Lautensoli von Petro Paolo Melli und Alessandro Piccini kommt es zu wunderschön beschwingenden Saitenwechseln, die auf die schwärmerischen Liebeshymnen fern der britischen Inseln einstimmen. In den Liedern von Giulio Caccini und Claudio Monteverdi lässt Florian rauer auch das leidenschaftliche Pathos von Opernhelden anklingen, die sich ihren Gefühlsstürmen hingeben, abstürzen und weiter träumen, beflügelt von den harmonierenden Akzenten der Laute. In Monteverdis „Si dolce è’l tormento“ erinnert ihr Klang an eine Orgelstimmung, wie sie die Melodielinien so sanft wärmend grundiert. Hier scheint Brauers  wunderbar klar durchlässig konturierte Tenorstimme mit den fernen Echos von Chorstimmen zu verschmelzen. Für Momente verwandeln die Musiker den Parthenon Saal in einen musikalischen Andachtsraum.

Auch Andreas Dükers romantische Gitarre mit dem kleinen Corpus hat’s in sich, wenn der den romantischen Liederreigen Johann Kaspar Mertz Ständchen „An Malvina“ eröffnet. Als ob das Zupfinstrument die Nähe zu einem Tastinstrument sucht, wie es Schubert für seinen Liederzyklus „Schwanengesang“ gedacht hatte.

Manche Zuhörer waren sicherlich auf den musikalischen Bogen bei diesem Konzert gespannt sei, ob sich Dowlands melancholische Stimmungsbilder und Schuberts existenzielle Tableaus beim Thema Liebe so einfach unter einen Hut zaubern lassen. Sein Ständchen mit der Zeile „leise flehen meine Lieder“ lässt sie zu Brüdern im Geiste werden. Nur dass Schubert bei den großen Gefühlen vielleicht noch leidenschaftlicher auf’s Ganze ging. So wie auch Florian Brauer, der mit dem Lied „Aufenthalt“ die Erschütterungen einer Seelenlandschaft spürbar werden lässt. Auch dafür hätte die antike Liebesgöttin den beiden Musikern ein Zeichen ihrer besonderen Gunst gewährt, wenn sie im Parthenon Saal des archäologischen Institutes nicht so viel Haltung demonstrieren müsste. Anders als das Publikum, das sich für diesen Saitenwechsel mit wunderschöner Musik und zwei wunderbaren Musikern auch mit viel Beifall begeistern durfte.

Erschienen in der Kategorie Konzert im Parthenonsaal
Sonntag, 26 April 2015 14:18

Alte Musik neu geboren

Britta Hauenschild und Andreas Düker mit neuer CD

Die beiden Göttinger Musiker Britta Hauenschild und Andreas Düker bilden das „Duo Seraphim“ und haben sich auf die Musik der Renaissance spezialisiert. In der besonderen Akustik der Klosterkirche Nikolausberg haben sie eine CD eingespielt, die nun unter dem Titel „A Renaissance Journey“ erschienen ist. Enthalten sind Instrumentalstücke, Tänze und Lieder für die Besetzung mit Renaissance-Traversflöte und Renaissancelaute bzw. Vihuela bearbeitet. Die musikalische Reise führt durch Italien, die Niederlande, Deutschland, England, Frankreich und Spanien.

Die beiden Renaissance-Spezialisten geben allerdings keinen akademischen, trockenen Einblick in die Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts. Mit großem Gespür für die Musikalität bringen sie diese Alte Musik sehr lebendig zu Gehör. Die schlichte Schönheit der Musik wirkt zeitlos und ist leicht zu verstehen. Und so kann diese Einspielung vielen Ansprüchen genügen: den Liebhabern Alter Musik wird eine interessante Sammlung europäischer Renaissancemusik geboten; man kann genau hinhören und entdeckt viele Feinheiten der Musik und im Zusammenspiel von Britta Hauenschild und Andreas Düker. Die CD ist aber auch allgemein gut geeignet für Freunde schöner Musik. Zum Genießen dieser Musik ist kein Fachwissen erforderlich. Man kann die CD einlegen und die Musik sofort genießen.

Und wer mehr wissen möchte, kann sich mit dem umfangreichen und sehr informativen Booklet beschäftigen. Hier wird detailliert über die Renaissance in den verschiedenen Ländern Europas erzählt. Dazu kommen zahlreiche Informationen zu den einzelnen Musikstücken.

Die CD „A Renaissance Journey“ ist im Label „friends of green sonic“ erschienen. Dahinter verbirgt sich der Musik- und Technologieenthusiast Stephan Schmidt. Er hat sich auf hochwertige und außergewöhnlich klingende Aufnahmen spezialisiert.
Herausgekommen ist ein rundherum gelungenes „Paket“: Renaissance-Musik, eingespielt durch zwei wirkliche Spezialisten aus Göttingen, aufgenommen in einer Kirche mit bester Akustik, technisch umgesetzt von einem HiFi-Enthusiasten – und dazu noch schön und informativ verpackt. So wird diese Alte Musik ganz im Sinne des Wortes "Renaissance" neu geboren.

Die CD ist ab sofort im Handel erhältlich.

Erschienen in der Kategorie CD-Tipp
Montag, 23 März 2015 10:13

Symphonie in die neue Welt

Begegnungen der musikalischen Art in der Stadthalle

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
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OpenAir-Kino

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NDR Soundcheck