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Samstag, 17 Juni 2017 11:06

Feiern und Verrücktheit mit „Les Yeux d’la Tête“

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Les Yeux d’la Tête Les Yeux d’la Tête Bildquelle: https://www.facebook.com/lesyeuxdlateteofficiel/

Auf stimmungsvoller Klangreise in der musa

Sie haben Geburtstag: seit 10 Jahren gibt es „Les Yeux d’la Tête“ nun schon. Das wird an diesem Abend in der musa ausgiebig gefeiert - mit alten und neuen Liedern und jeder Menge Energie.

Es beginnt mit einem feurigen Klangteppich, den die sechs Musiker aus Paris mit einer Vielzahl von Instrumenten und Gesang erzeugen. Der Liedtext „Alors, dansez“ – Kommt, tanzt – wird im Publikum gerne umgesetzt. Bei diesen Gypsy-Swing-Melodien still stehen zu bleiben ist auch kaum vorstellbar.

Mit unterschiedlicher Instrumentalisierung – auf der Bühne befinden sich unter anderem Saxophon, Gitarre, Akkordeon, Trompete, Kontrabass, Schlagzeug, Trommeln und Bass – und zwei Sängern, die abwechselnd alleine oder zusammen singen, hat jedes der Stück einen eigenen Charakter, wiederholt sich in der Gestaltung nicht.

Die inbrünstig gesungenen Lieder wechseln sich mit ruhigen, sanften ab, welche zum Vor-sich-hin-träumen anregen. Es ist eine große Freude, der Gruppe beim Musizieren zuzuschauen und ihnen ihre Begeisterung daran deutlich anzusehen. Als der Kontrabassist Emilien Pottier ein Solo spielt, tanzen seine Fingerspitzen virtuos über die Saiten des Instrumentes, und er wirkt ganz in seinem Spiel versunken, geht darin auf. Man merkt, dass sich „Les Yeux d’la Tête“ schon seit einiger Zeit kennen: die Musiker sind perfekt aufeinander eingespielt. Sie fangen gegenseitig ihre Blicke, laufen über die Bühne und tanzen Rücken-an-Rücken miteinander. Hier fällt besonders Eddy Lopez auf, der mit dem Saxophon sehr schnelle Tonfolgen grandios spielt und es dabei schafft, sich schwungvoll zu bewegen. Auch kleine Choreografien werden eingebaut: ein Stück beginnt beispielsweise damit, dass die Bandmitglieder mit dem Rücken zum Publikum stehen und zunächst langsam und ruhig zu spielen. Im Moment, in dem das Bühnenlicht angeht, drehen sie sich herum, werden lauter und schneller. Es folgt ein Perkussion-Stück mit Solo des Schlagzeugers Xavier Hamon, dem die Zuhörenden und die anderen Bandmitglieder sichtlich begeistert folgen. Bevor das Konzert für einen Moment ruhiger wird, verausgaben sich die Musiker noch einmal richtig. Guillaume legt ein Tanzsolo in verschiedenen Raumebenen ein und findet zwischendrin noch genügend Luft zum Singen. Es folgt ein akustischer Teil der beiden Sänger Benoît und Guillaume mit Gitarren. „So hat alles angefangen“, sagt Benoît, „wir haben Straßenmusik am Pariser Montmatre gemacht und gut vom Geld der Touristen gelebt“. Nun singen sie im Duett Französische Chansons mit übertriebener Leidenschaft und rollendem „r“. Als Leute im Publikum lachen, winkt Guillaume ab – „das ist nicht lustig“ und muss grinsen. Weiter geht es musikalisch in Richtung Osteuropa, jetzt wieder in voller Besetzung. Es folgt ein „Lied zum Weinen”, ein Walzer, zu dem auch einige Leute im Publikum tanzen. Eric Allard-Jaquin spielt ein wunderschönes Akkordeon-Solo, das einen als Zuhörer*in stellenweise in die Welt der Amélie versetzt. Weiter geht es mit spanischen Rhythmen, peppigen Klängen und einer kleinen Theatereinlage, bei der Guillaume eine Glühlampe als Mikrofon nutzt und die Bandmitglieder mit verängstigtem, aber interessiertem Blick beleuchtet und betrachtet. Die mystische Stimmung des Liedes wird hiermit noch direkter herübergebracht und überwindet auch sprachliche Barrieren. Es folgt ein jazziges Stück, gespielt von Saxophon und Akkordeon, eine seltene und sehr gelungene Instrument-Kombination.

Das Konzert neigt sich dem Ende zu und mit den Worten “Jemand sagte uns, man müsse auf Englisch singen, um sich mit der Musik sein Essen verdienen zu können. Hier ist unser Beitrag, um groß herauszukommen.“ wird das letzte Lied angekündigt. Es trägt passenderweise den Titel „I don’t speak English“ – ich spreche kein Englisch –, enthält Elemente aus dem Pop und greift einige bekannte englische Songtexte und Melodien auf. Auf der Bühne und auch im Publikum wird noch einmal wild getanzt und gesprungen. „Zugabe!“ heißt es unter lautem Beifall und „Les Yeux d’la Tête“ kommen erneut auf die Bühne, um die Freiheit mit dem Lied „Liberté Chérie“ zu besingen. Als der begeisterte Applaus nicht versiegt, betreten die Musiker noch ein weiteres Mal mit strahlenden Gesichtern die Bühne. „Wünscht euch etwas“, sagt Guillaume und „Ma Bande“ wird gespielt, dessen einprägsamer Refrain von allen Leuten im Raum in verschiedenen Lautstärken gesungen wird und auch namensgebend für die aktuelle Tour von „Les Yeux d’la Tête“ ist: „La fête et la folie“ – Das Feiern und die Verrücktheit. Eine sehr passende Beschreibung des Abends.

Die Reise, auf die das Konzert die Zuhörer*innen mitgenommen hat, klingt in der musa aus. Es war ein wilder Ausflug in verschiedene Länder, Musik-Genres und Emotionen, der die Teilnehmer*innen leicht erschöpft, aber mit erfüllten Blicken zurückgebracht hat.

Das Neueste von Pia Schirrmeister

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