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Freitag, 02 Juni 2017 17:20

Rufnummernauskunft Stefanie Fröhlich, was kann ich für sie tun?

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„Spötterdämmerung“ mit Stefanie Sargnagel

So eine Person ist natürlich in der Stadt Lichtenbergs und des Elchpreises hoch willkommen. Die Eröffnungsveranstaltung der Reihe „Spötterdämmerung“ zum 275. Geburtstag Lichtenbergs musste vom Literarischen Zentrum ins Alte Rathaus verlegt werden, so groß war der Andrang.

Sie nahm ihr neues Buch in die Hand und meinte: „Als eBook gibt es das schon länger. Aber es war nicht erfolgreich, weil meine Texte ja eh alle online erscheinen. Also haben wir das Buch kurzerhand ausgedruckt.“ Am Ende ging das Buch „In der Zukunft sind wir alle tot“ am Büchertisch im Alten Rathaus nach der Lesung von Stefanie Sargnagel tatsächlich ordentlich weg.

Gelesen hat sie ihre Facebook-Einträge („circa 30 bis 40 pro Tag“) und ihre Zitate aus ihrer Zeit als Callcenter-Mitarbeiterin bei der Rufnummernauskunft. „Rufnummernauskunft Stefanie Fröhlich, was kann ich für sie tun?“ Die Dialoge sind zum Teil aberwitzig, in der Wiedergabe von Stefanie Sargnagel wirken sie nicht nur grotesk, sondern immer auch ein wenig abgrundtief. Ist das nun der berühmte „Wiener Schmäh“? Ihre Texte und Aussagen legen das nahe, auch weil bei allem Zynismus und aller Derbheit („ich habe einen Hang zu Obszönitäten“) stets der Bezug zur Realität und zum Alltag erhalten bleibt. Und immer zeigt sie ihre Sympathie für die Nichtsnutze, Tagediebe und Kaputten.

Ihre Tätigkeit beim Callcenter hat die Autorin inzwischen aufgegeben. „Ich bin jetzt Künstlerin, ich habe keinen Kontakt mehr zu Bevölkerung.“ Sie war Stadtschreiberin in Klagenfurt und hat den Publikumspreis beim Bachmann-Preis gewonnen.
Sie gründete außerdem die Burschenschaft Hysteria, eine Parodie auf akademische Verbindungen, die immer wieder mit Aktionen auf sich aufmerksam macht.

Stefanie Sargnagel heißt bürgerlich Sprengnagel. Ihren Künstlernamen trägt sie, seit sie vor zehn, elf Jahren aus Spaß "Sargnagel" unter eine Zeichnung kritzelte.

Dem überwiegend jungen Publikum wurde viel geboten. („Niveauloses kommt bei Lesungen besser an!“) Neben ihren Callcenter-Erfahrungen bekommt Sargnagel auch für Gedichte oder eine ziemlich surreale erotische Kurzgeschichte mit Tieren („Dafür gibt es bestimmt einen Markt.“) Applaus.

„Stefanie Sargnagel ist eine Schriftstellerin, die Trinken, Rauchen und ihren Stuhlgang zur Kunstform erhoben hat. Und die über all diese Dinge schreibt. Mal abgründig, mal ekelerregend, mal witzig und immer auf Facebook.“ (ZEIT Campus im Januar 2017)
„Jetzt wissen alle Bescheid, wer hier der Chef ist“, meinte sie nach ihrem Erlebnis eines starken „Schaas“ (Pfurz) über ihre Callcenter-Kollegen. In Göttingen war das gar nicht nötig, hier hatte sie ihr Publikum auch so im Griff. Und am Ende huschte sogar ein Lächeln über das Gesicht des 31jährigen Jungstars.

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