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Montag, 29 Mai 2017 11:38

Erfolgreich den Schatz gehoben

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Haydns Oper „Orfeo ed Euridice“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester in der Stadthalle

Oper satt gab es am letzten Tag der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2017. Während im Deutschen Theater noch die Dernière der Händel-Oper „Lotario“ lief, begann in der Stadthalle die zweite Aufführung der Haydn-Oper „Orfeo ed Euridice“.
Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller wollte mit dem Göttinger Symphonie-Orchester diesen „gigantischen musikalischen Schatz der letzten Jahrhunderte“ (Programmheft) heben. Aus diesem Anlass wurden hochkarätige Solisten eingeladen: Simone Kermes, Simon Bode und Jochen Kupfer sowie der Norddeutsche Figuralchor bildeten neben dem Orchester das Personal des Abends.

Die Göttinger Stadthalle ist nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch vollkommen ungeeignet, um eine szenische Aufführung einer Oper umzusetzen. So wurde der Künstler Stephan Boehme beauftragt, die Oper in Bildern zu interpretieren, die während der Aufführung auf die Bühne projiziert werden. Oder vielmehr vor die Bühne, denn dort hingen große Leinwände für diese Projektion. Leider verdeckten sie große Teile der Bühne, so dass je nach Sitzplatz in der Stadthalle weite Teile der Musikerinnen und Musiker gar nicht zu sehen war. Hier hätte man sicher eine bessere Lösung finden können. Die Bilder selber jedoch hatten die laufende Handlung gut aufgegriffen und das Konzerterlebnis bereichert.

Das haben natürlich auch und vor allem die Sänger getan. Hier ist an erster Stelle der Tenor Simon Bode zu nennen. Als Orfeo litt und liebte Bode, dass man als Zuhörer förmlich mitlitt. Er gestaltete seine Partie wunderbar, so dass man fast vergessen hatte, gar keiner szenischen Aufführung beizuwohnen. Überzeugend auch seine Stimmführung, die niemals angestrengt klang. Simon Bode bewies eine enorm hohe Vielfalt im Ausdruck.

Ausdruck hatte auch Simone Kermes. Sie ließ keinerlei Zweifel aufkommen, wer hier der Star des Abends ist. Natürlich hat Kermes eine ganz hervorragende Stimme und singt auf allerhöchstem Niveau. Ihre Koloraturen waren atemberaubend. Ihre Mimik und Gestik, ihr gesamter Auftritt passte allerdings überhaupt nicht zur Rolle der Euridice. Dass sie außerdem noch die Rolle des Genio verkörperte, war nicht zu spüren – weil sie die Rolle, nämlich ihre eigene, gar nicht wechselte. Ihr Auftritt stellte die Sängerkollegen förmlich in den Schatten, auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Lichtkegel erhellte nur die Starsopranistin. Dabei standen ihr Simon Bode, der Bassist Jochen Kupfer und die Gesangsolisten des Norddeutschen Figuralchores in nichts nach.

Der Chor hat in dieser Oper eine große Partie. Bewundernswert, dass die Choristen ihren Part auswendig vortrugen (was wegen der Leinwände nur ein Teil des Publikums bemerken konnte). Der Chor wurde von seinem Leiter Jörg Straube perfekt vorbereitet und erhielt am Ende vollkommen zu Recht Sonderapplaus.

Den hatte auch das Göttinger Symphonie Orchester verdient. Gab es am Anfang noch eine leichte Unwucht im Zusammenspiel, liefen die Musikerinnen und Musiker zu Hochform auf. Hervorzuheben ist vor allem die Continuo-Gruppe am Cello und Hammerklavier. Wer diese Instrumente spielte, war weder zu sehen noch dem ausführlichen Programmheft zu entnehmen.

Christoph-Mathias Mueller hatte bereits im Interview mit dem Kulturbüro Göttingen (siehe hier) sein Unverständnis geäußert, dass diese Musik des berühmten Komponisten so unbekannt ist und so selten gespielt wird. Ihm ist es tatsächlich gelungen, diesen Schatz zu heben und dem Göttinger Publikum zu zeigen. Leider ist die Zahl der Schatzsucher bei dieser zweiten Aufführung (die übrigens vollkommen störungsfrei ablief) nicht besonders groß gewesen. Etliche freie Plätze in der Stadthalle ließen Zweifel aufkommen, ob konzertante Oper in Göttingen ein Erfolgsmodell ist.

Diejenigen, die dabei waren, waren jedoch davon mehr als überzeugt: sie umjubelten die Aufführung und ihre Stars. Allen voran Simone Kermes, die selbstverständlich die größten Ovationen erhielt.

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