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Sonntag, 26 Februar 2017 12:16

Viva la Reformation – oder der Maybach unter den Trausprüchen

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Pfarrer Ingmar Maybach und die fabelhaften Wartburg Brothers begeisterten mit Wort- und Musikwitz in der Christophoruskirche

Wenn man in der Ankündigung liest, dass der Kabarettist Maybach heißt, Kirchenkabarett macht und das auch noch im Jahr des Reformationsjubiläums, dann lässt die Namensgebung des musikalischen Begleitduos mit „Die fabelhaften Wartburg Brothers“ wünschen, dass sich die Flachwitzquote während der Vorstellung in Grenzen halten möge. Aber etwaige Befürchtungen in diese Richtung erwiesen sich als vollkommen unbegründet. Die solide Grundlage mit Luther und Bibel sowie musikalischer Unterstützung von Paul Gerhardt und Johann Sebastian Bach erwies sich als stabiles Fundament, auf dem ein amüsanter Abend aufbaute. Waren die politisch ausgerichteten Nummern eher kabarettistische Hausmannskost, so lief Maybach immer dann zu Hochform auf, wenn es um den Mikrokosmos einer Kirchengemeinde und deren Akteure ging.

Mit präziser Beobachtungsgabe nahm er die Steilvorlagen auf, die der Gemeindealltag bietet, und verwandelte sie in Kabinettstückchen. Das überwiegend kirchennahe Publikum amüsierte sich prächtig und auch wer nicht zum inneren Kern einer Gemeinde gehörte, fand sich gut unterhalten. Die Chance, dem eigenen Berufsstand den Spiegel vorzuhalten, wurde allerdings vertan; hier hätten Scharfsinn und Witz gerne noch pointierter und tiefgründiger sein können. Das Programm bestand zu einem Teil aus den „Best Offs“ der letzten Jahre und so war der Lacherfolg gesichert. Die häufig eingeforderte Mitwirkung des Publikums sorgte zusätzlich für gelöste Stimmung. Das „Ein feste Burg-Grundaussagen-Oratorium“ erforderte etwa von den Männern ein mehrfaches „Und wenn die Welt voll Teufel wär“, das von den Frauen mit „Hölle, Hölle, Hölle…“ zu erwidern war und Partystimmung aufkommen ließ. Die fabelhaften Wartburg Brothers an der Gitarre sowie Kirchenorgel und Keyboard sorgten für die musikalische Begleitung, ließen manchen Schnipsel aus Bachschen Werken einfließen und dienten auch immer wieder gerne als Stichwortgeber.

Ein Höhepunkt des Abends war sicher die Schilderung von Hochzeitsvorbereitungen aus Sicht des Pastors: der Rolls Royce, oder besser Maybach, der Trausprüche ist natürlich „Glaube, Liebe Hoffnung…“ – immer wieder einzigartig für jedes Brautpaar für seinen einzigartigen Tag. Das Publikum bedanke sich mit langanhaltendem Applaus und bekam als Zugabe noch die Telefonhotline der Kirche als Anregung mit auf den Weg.

P.S.: Und was hatte es jetzt mit Pauls Gerhardt auf sich? Wer als Pastor seinem Organisten oder seiner Organistin dienstags in Hektik die Liedauswahl mitteilt und Strophe 1-5 wählt, der wird für stillvergnügtes Schmunzeln bis Heiterkeit im Kirchenschiff sorgen, zumindest wenn er die Nummer 503 aus dem evangelischen Gesangbuch ausgewählt hat.

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