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Donnerstag, 15 Dezember 2016 08:54

Das Gänsehaut-Liesel kehrt zurück

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Unheimliche Geschichten schön gruselig auf der ThOP Bühne erzählt

Zwischen Glühwein und Lebkuchen ist immer noch ein bisschen Platz für eine Geschichte, mag sie auch noch so gruselig anmuten. Am ThOP gehört der Abstecher in finstere Abgründe und Katakomben zu den vorweihnachtlichen Traditionen. Denn dann erzählt Götz Lautenbach am liebsten aus seinem Fundus unheimlicher Geschichten und gruftiger Episoden. Schön schaurig gestaltet sich auch sein aktuelles Theaterprojekt in der Inszenierung von Thomas Müller: „Das Gänsehaut-Liesel kehrt zurück“.
Die Warnung ist durchaus ernst gemeint. Sie gilt für alle drei Geschichten, die der Schauspieler auf der ThOP Bühne mit viel Fantasie spielt und imaginiert. Das Gänsehautfeeling bleibt nicht aus, auch wenn zunächst einmal nur Staub und Mörtel von der Decke auf eine Sammlung von Kartons, Ordnern und verstreuten Papieren rieselt. Götz Lautenbach schlurft als Putzfrau über die Bühne und wirft einen skeptischen Blick auf das Desaster, das bei diesem Abend mit unheimlichen Geschichten aus Göttingen nicht unerwähnt bleiben darf. Das war die Zeit, als im Dachgebälk des studentischen Theaterhauses mächtige krachte und dramatische Monate der Renovierung folgten.
Zum Fürchten war das für die Theatermacher, die dafür auch ihren Fundus entrümpeln mussten. Dass darin noch einiges an unheimlichen Begebenheiten lauert, bereitet wiederum dem Schauspieler ein höllisches Vergnügen, wenn er sich nun in die Geschichte eines grummelnden Barbiers vertieft, der zu später Stunde eine böse Überraschung erlebt. Dessen nächtlicher Gast hat offenbar teuflisches im Sinn, und so erzählt der Schauspieler mit herrlich gruseligen Grimassen von einer wilden Jagd über den Campus und hangelt sich an der leeren Seite der Zuschauertribüne hoch. Bis auf die Kirchturmspitze treibt es den armen Barbier, der nach dem bösen Erwachen eine dramatische Verwandlung erfährt.

Götz Lautenbach erscheint nun als edel gewandte Grazie, die das Schicksal ihres Geliebten beklagt und in Versen schmachtet. Auch Gottfried August Bürgers berühmte Ballade „Lenore“ verwandelt sich schon bald in ein schauriges Panoptikum, wenn sich nun der ersehnte Bräutigam von seiner dämonischen Seite zeigt und der Schauspieler seine geisterhaften Beschwörungsformeln zitiert.

Nach den vorweihnachtlichen Aufführungen mit den dunklen Fantasien Edgar Allan Poes wollte Lautenbach diesmal vor allem lokale Erzähler zu Wort kommen lassen. Den Plot für den „Barbier von Göttingen“ hatte zwar der schottische Erzähler Robert Macnish gestiftet, der sich für die gelehrte Göttinger Welt auch ein paar schaurige Begebenheiten einfallen ließ. Dafür machte der Schauspieler eine weitere Entdeckung: Roland Schimmelpfennig. Der in Göttingen geborene Dramatiker war der in der Nationalbibliothek von Havanna auf eine Erzählung von Friedrich Friedland gestoßen. Mit feinen und fiesen Kommentaren versehen überließ er „Das Mädchen mit den Gänsen“ gern dem Göttinger Theatermacher, der sich daraus auf der Bühne seinen schaurigen und spöttischen Reim machte.
Mit historischen Reisebildern von Weserfähren und einer Kutschfahrt in die Universitätsstadt lockt Götz Lautenbach die Zuschauer nun auf die nächtliche Odyssee eines Pelzhändlers. Den edlen Fellmantel, den die Frau des Universitätspräsidenten bei ihm in Auftrag gegeben hatte, wird er zwar nicht los. Umso mehr vergnügen sich die Zuschauer an seinen Betrachtungen über eine akademische Abendgesellschaft mit all ihren Zwänglichkeiten, bevor es auf der Bühne wieder richtig schön schaurig wird. Auch der kühl kalkulierende Geschäftsmann zeigt sich bald von seiner dunklen Seite, nur dass er dabei in eine böse Falle tappt. Es sind finstere Zeiten, die das Gänsehaut-Liesel im nächtlichen Göttingen herauf beschwört und wie ein Gespenst in Nischen und Mauerwerk lauert, auf dass es auch die glühweinseligen Nachtschwärmer so richtig schön gruselt.

Die Premiere war am 8. Dezember 2016. Weiter Vorstellungen sind am 19., 21. und 22. Dezember jeweils um 20.15 Uhr im Theater im OP

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