Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Samstag, 05 November 2016 16:27

90 Minuten kurzweilige Unterhaltung

geschrieben von

„Shoppen“ - eine Speeddatingkomödie. Premiere im Theater im OP (ThOP)

Fünf min. Nur fünf Minuten dauert jede Begegnung. Dann müssen die Teilnehmer des Speeddatings entscheiden, ob sie sich ein zweites Mal treffen wollen. Das Theater im OP war die Manege für fünf Frauen und fünf Männer bei dieser Kür zur Partnersuche. Wer nun ein zaghaftes Abtasten zwischen Mann und Frau, einen dezenten Austausch von Komplimenten oder ein feinfühliges Bestreben den Charakter des Gegenübers zu erkunden, erwartet, wird überrascht. Stattdessen wird gestritten, geflirtet, beleidigt, philosophiert und schamlos interviewt. Wiederholt prallen fundamental verschiedene Weltanschauungen aufeinander und manifestieren sich in hitzigen Diskussionen.

Das Theaterstück „Shoppen“ basiert auf dem gleichnamigen Film von Ralf Westhoff (2007), den Jürgen Popig zur Bühnenfassung adaptiert hat. Thomas Lödig hatte die Regie bei der Göttinger Fassung. Er verzichtet fast gänzlich auf Requisiten und lässt das Stück einzig vom Dialog zwischen zwei Personen im Leuchtkegel eines Scheinwerfers tragen. So scheint jede Begegnung in einem anderen Licht. Tatsächlich entwickelt sich jedesmal eine einzigartige Dynamik mit unterhaltsamer Note. Die scharfsinnigen Dialoge sorgen für ein Feuerwerk an amüsanten Interaktionen im fünf Minuten Takt. Gerade bei einem solchen Stück besteht die Gefahr, dass sich durch das repetitive Stakkato der immer gleichen Szenenanordnung – zwei Menschen stehen sich gegenüber – Langeweile einstellt. Die Regie hat raffiniert vorgebeugt, indem es die Speeddatingkonversationen mit beschwingten Tanzeinlagen auflockert.

Das Schauspiel platziert sich auf der komödiantischen Schiene. Trotzdem schwingt in all den lustigen Possen eine ironische Tragik mit. Das wird besonders deutlich, als eine Teilnehmerin die Frage aufwirft, was man eigentlich den gemeinsamen Kindern erzählen sollte, wenn man sich beim Speeddating kennengelernt hat? Die Wahrheit sei sicherlich zu peinlich. Diese Feststellung leitet zur Frage, wer eigentlich zum Speeddating geht? Wer ist bereit oder genötigt für menschliche Interaktion zu zahlen? In „Shoppen“ finden sich 10 eigenwillige Naturelle ein wie die naive Plaudertasche, der schüchterne Choleriker, die sexfokusierte Sportlerin, der selbstunsichere Kontroller oder der präpotente Macho. Der überraschende Charakter fehlt. Alle Figuren hat man schon einmal gesehen, nur eben nicht beim Speeddating. Trotz der klischeehaften Übertriebenheit der Figuren schaffen es die Schauspieler, diese Menschen natürlich und realitätsnah darzustellen. Jede Persönlichkeit hat ihren Platz in diesem Roulette der Partnerwechsel.

Im zweiten Teil des Stücks treffen die Personen einander wieder, die sich gegenseitig angekreuzt haben (in den meisten Fällen). Die Motive dafür reichen von der Begierde nach einem One-Night Stand über ein Date, aus dem mehr werden kann, bis zum Wunsch nach einem erneuten Streitgespräch. Der erhoffte Höhepunkt bleibt aus. Auch als der Funke bei den Pärchen überspringt, kommt er beim Publikum nicht an. Die Zuschauer werden so auf die Schiene des tragischen Humors eingestellt, dass kein Platz fürs Sympathisieren mit intensiven Gefühlen der Zuneigung bleibt.

„Shoppen“ bietet 90 Minuten kurzweilige Unterhaltung garniert mit erotischer Spannung, subtiler Tragik und prächtigem Wortwitz. Das Publikum beklatschte die Mitwirkenden der Bühne mit lang anhaltendem Applaus für eine stimmige Inszenierung. Zurecht.

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

OpenAir-Kino

Kultursommer 2017

NDR Soundcheck